Postdoc-Position: Geschichte der Tschechoslowakei in der Zwischenkriegszeit
Am Departement Geschichte der Universität Basel ist ab dem 1. August 2026 oder nach Abmachung die Stelle eines/einer wissenschaftlichen Mitarbeiter:in (Postdoc) in einem Projekt unter der Leitung von Dr. Fabian Baumann zu besetzen.
Das Projekt The Threatened Republic: Treason, Disloyalty, and the Defense of Democracy in Interwar Czechoslovakia, finanziert durch einen Starting Grant des Schweizerischen Nationalfonds, untersucht die juristischen und politischen Strategien zum Schutz der territorialen Integrität und der “demokratisch-republikanischen” Staatsform in der Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918–1938). Die Mitarbeiter:innen werden mehrere Fallstudien staatsfeindlicher Bewegungen sowie der Instititutionen des Republikschutzes bearbeiten.
Unter den neuen Staaten, die nach dem Ersten Weltkrieg in Ostmitteleuropa entstanden, war die Erste Tschechoslowakische Republik sowohl der demokratischste, als auch der prekärste. Zahlreiche innere und äussere Feinde lehnten sowohl die Grenzen des neuen Staats als auch seine demokratische Verfassung ab. Beim Versuch, die Republik gegen extremistische Bewegungen zu schützen, gingen die tschechoslowakischen Regierungen teils höchst repressiv vor, so dass ihnen selbst vorgeworfen wurde, die Demokratie zu untergraben.
Somit verkörpert die Erste Tschechoslowakische Republik die Dilemmas einer Politik, die seit Karl Loewenstein als wehrhafte Demokratie bezeichnet wird. Das Projekt wird sich mit juristischen und politischen Strategien zum Schutz der jungen Demokratie befassen, wobei das Hauptaugenmerk auf politischen Gerichtsprozessen liegt. Indem es untersucht, wie der Staat und seine Bürger:innen die feinen Unterschiede zwischen legitimer Regierungskritik und Illoyalität verhandelten, leistet das Projekt einen Beitrag zur Geschichte der Demokratie und ihrer Blindstellen in einer Zeit, die von extremem Nationalismus, autoritärer Politik und territorialem Revisionismus geprägt war.
Ihre Aufgaben
Als Postdoktorand:in tragen Sie durch eine eigenständige Studie zur Geschichte der Sicherheitsorgane und/oder der polizeilichen Überwachung in der Ersten Tschechoslowakischen Republik zum Gesamtprojekt bei und ergänzen damit die Forschungen der anderen Teammitglieder zur politischen Strafverfolgung. In ihrem Bestreben, den Staat zu verteidigen, stützten sich die tschechoslowakische Regierung und Justiz auf einen gut ausgebauten Sicherheitsapparat, um die Bevölkerung zu überwachen und ihre Loyalität zu überprüfen. Mögliche Postdoc-Projekte könnten sich beispielsweise mit der Institutionengeschichte von Organen wie Polizei, Gendarmerie, Armee oder Grenzschutz befassen, mit alltäglichen Praktiken der Polizeiarbeit und Überwachung, mit kulturellen Wahrnehmungen und Darstellungen des Sicherheitsapparats oder mit internationalen Sicherheitskooperationen.
Zum Aufgabenbereich zählen:
- eigene wissenschaftliche Forschung, entweder Abschluss einer ersten Monographie oder von 2-3 Artikeln mit Peer Review (je nach Karrierestufe);
- aktive Mitarbeit an den gemeinsamen Forschungszielen des Projekts, Teilnahme an Teamsitzungen und der Lesegruppe im ersten Jahr, enge Zusammenarbeit mit Teamkolleg:innen;
- Mitarbeit bei administrativen Aufgaben, Konferenzorganisation, Kommunikation.
Erwünscht sind zudem
- Mithilfe beim Mentoring der zwei Doktorierenden im Projekt;
- akademische Lehre (1-2 Kurse während der 3 Jahre);
- Kommunikation von Forschungsresultaten an ein breiteres Publikum (in Blogs, Podcasts, Social Media usw.).
Ihr Profil
- Sie haben ein abgeschlossenes Doktorat (PhD oder Äquivalent) in Geschichte.
- Sie haben bereits zur modernen Geschichte Ostmitteleuropas gearbeitet.
- Sie beherrschen fliessend Englisch, die Arbeitssprache unseres Teams, und ordentlich Tschechisch, die Hauptverwaltungssprache der Tschechoslowakei. Weitere relevante Sprachkenntnisse, insbesondere Deutsch, sind sehr willkommen.
- Sie sollten gewillt sein, an der Teamarbeit teilzunehmen und zu den gemeinsamen Projektzielen beizutragen.
- Ausserdem sollten Sie flexibel sein, um Forschungsreisen zu unternehmen, und während des Semesters in der Vertragszeit in Basel anwesend sein können.
Wir bieten Ihnen
- Eine vollständig finanzierte Postdoc-Position (3 Jahre) am Departement Geschichte an der Universität Basel;
- Ein motiviertes Team, das Ihre Ideen, Ihre Forschung und Ihre Karriere in einer dynamischen, freundlichen und vielseitigen Arbeitsumgebung unterstützen wird;
- Das Gehalt und die Sozialleistungen werden nach Schweizer Standards und den Regeln der Universität Basel berechnet.
- Grosszügige Reisefinanzierung für alle Teammitglieder ist in der Projektfinanzierung enthalten.
Bewerbung / Kontakt
Der Bewerbung ist ein Motivationsschreiben mit einer Skizze des geplanten Forschungsprojekts, ein tabellarischer Lebenslauf, eine Publikationsliste, eine Arbeitsprobe (Zeitschriftenartikel, Buchkapitel, Dissertationskapitel), und die Namen von zwei Referenzen beizulegen.
- Bewerbungsschluss ist am 5. Februar 2026
- Alle Bewerbungen müssen ausschliesslich über das Online-Stellenportal der Universität Basel eingereicht werden.
- Der erwartete Stellenantriff ist am 1. August 2026.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Fabian Baumann (fabian.baumann@unibas.ch). Mehr Information über uns finden Sie unter https://dg.philhist.unibas.ch/de/.